Web App - SaaS auf dem Vormarsch

Wie jeder smarte Programmierer weiß, kommen und gehen die Techniken in der IT-Landschaft rasend schnell. Aktuell ist das Thema Web App oder auch SaaS oder Cloud Services wieder mehr in den Fokus gerückt. Wie wir dahin kommen und welche Vor- und Nachteile man davon hat, erfahrt ihr in meinem folgenden Artikel.

Die IT-Landschaft im Laufe der Zeit: Die Terminal-Ära

Am Anfang waren die Terminals – so oder so ähnlich könnte man die technologische Historie von Software beginnen. Zu dem Zeitpunkt, als Computer noch an Universitäten zu rein wissenschaftlichen Zwecken genutzt wurden, war die Rechenkapazität der Computer noch ziemlich teuer. Aus diesem Grund wurden Großrechner angeschafft, die die Rechenaufgaben übernahmen und einzelne Terminals die auf die Kapazität des Rechners zugreifen konnten. Auf diese Weise war es möglich, dass mehrere Leute an einem Großrechner Berechnungen durchführen konnten, ohne dass für jeden User eines dieser „monströs teuren Monstren“ angeschafft werden mussten.

Das Client-Server-Modell

Überspringen wir ein paar Jahre: Der Personal Computer ist geboren und hat Einzug in die Privathaushalte und Firmen erhalten. Nun hatte jeder Rechner genug Kapazität, um die Berechnungen des eigenen Users ohne Probleme durchführen zu können. Das hatte den Vorteil, dass Kollege Müller nicht mit seinem Bauplanungsprogramm alle anderen User davon abgehalten hat, Ihre Umsatzkalkulation des aktuellen Tages zu berechnen. Dennoch gab es ein paar Daten, wie zum Beispiel Adressdaten, die zentral Verfügbar gehalten und für jeden Bereitgestellt werden mussten. Aus diesem Grund hat sich das „Client-Server-Modell“ durchgesetzt. Das bedeutete, es wurde ein Computer eingerichtet (ein sog. Server), der die Daten für alle Kollegen bereitgestellt hat und mehrere Clients, die darauf zugegriffen haben. Jede Applikation hatte seine eigenen Clients die installiert, administriert und aktualisiert werden mussten.

Willkommen im Internet

Nachdem findige Programmierer des Massachusetts Institute of Technology das ARPAnet entwickelt haben, wurde dieses immer weiter vergrößert, sodass irgendwann über die ganze Welt hinweg Daten ausgetauscht werden konnten. Das Internet war geboren und erlaubte es, mittels HTML lustige Texte, schön formatiert um den Globus zu schicken. Das war aber nicht alles: Browser schossen wie Sand aus dem Meer und immer mehr Leute wollten mehr als nur die statischen Inhalte von HTML über das Web übertragen. Aus diesem Grund wurden Technologien wie JavaScript, JScript, Flash, Java-Applets, ActiveX-Applikationen, Silverlight und viele andere entwickelt, die auf den Client heruntergeladen wurden und dort Programmcode ausführen konnten (und teilweise noch können).

Cloud Computing: Der erste Gehversuch

Als ersten Versuch, eine Web App durchzusetzen könnte man das Cloud Computing bezeichnen. Einige findige Programmierer entwickelten Applikationen, die sonst nur Client-Server-basiert oder komplett auf den Clients liefen für das Internet. Die Idee war nicht schlecht, allerdings waren diese webbasierten Applikationen nur unzureichend vor unbefugtem Zugriff geschützt, sodass kurz darauf diverse Enthüllungen über Datenklau und –missbrauch, Industriespionage und vieles weiteres durch die Medien zog. Der Begriff Cloud Computing hat seitdem einen schlechten Beigeschmack, weil alles was „in der Cloud“, also im Internet ist, potentiell unsicher ist.

Web App und SaaS: Neuauflage bekannter Techniken

Nachdem das Cloud Computing zunächst einmal Marketing-technisch gestorben war, blieb die Computerlandschaft in dem bewährten Client-Server-Betrieb. Allerdings entwickelt sich das Internet immer weiter fort, sodass es mittlerweile in größeren Städten ohne Probleme möglich ist, Internetanschlüsse mit 100 Mbit+ zu erhalten. Deshalb bekommt das gute alte Cloud Computing ein neues Gewand und nennt sich nun Software as a Service (kurz SaaS), Cloud Services oder eben Web App. Die Neuauflage der Technik hat einen besonderen Grund: Es gibt nicht nur die Datenschutzbedenken, sondern auch massive Vorteile wenn man Programme als Web App hosted.

Vorteile einer Web App oder SaaS-Anwendung

  • Eine Web App hat keine besonderen Anforderungen (die Last liegt auf dem Server, gebraucht wird nur ein Browser um sie zu nutzen)
  • Eine Web App ist zentral administrierbar
  • Eine Web App ist skalierbar (Man braucht mehr Rechenpower? Einfach einen zusätzlichen Server in den Cluster packen!)
  • Für eine Web App wird keine Softwareverteilung benötigt (keine Installation, Updates einfach auf den Server einspielen)
  • Eine Web App kann man auch mobil bedienen, sofern sie dafür optimiert wurde (spätestens seit HTML5 und responsive Layouts kein Problem mehr)
  • Eine Web App kann man mieten (viele User greifen auf eine Webseite zu und bezahlen nur einen Bruchteil von dem, was eine Individualprogrammierung oder eine Client-Server Installation in der eigenen Umgebung kosten würde)
  • Seitdem es Software as a Service-Verträge gibt, kann man auch auf die tatsächliche Nutzungsverfügbarkeit der Web App klagen, nicht nur auf die Abrufbarkeit

Demgegenüber stehen natürlich immer noch die Datenschutzbedenken, die zwischendurch immer mal wieder durch die Medien geistern. Dennoch ist durch die Umstellung der Bezeichnung von „Cloud Computing“ durch SaaS oder Web App einiges von dem schwarzen Schatten verloren gegangen. Man darf gespannt sein, wie sich die IT-Landschaft nach dem nächsten Technologischen Hype entwickeln wird und ob die Möglichkeit, Applikationen über das Web anzubieten mit den nächsten erfolgreichen Cracker-Angriffen wieder zunichte gemacht wird.

Gepostet am 01.06.2015
Programmierung